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UNESCO-Welterbe

Tentativliste für UNESCO - Weltkulturerbe fortgeschrieben

Kabinett benennt die künftigen sächsischen Welterbe-Kandidaten

Die aktuelle, seit 1998 geltende deutsche Tentativliste läuft voraussichtlich 2015 aus. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hatte am 4. März 2010 entschieden, dass ihr für die Fortschreibung der deutschen Tentativliste bis zum 1. August 2012 jedes Bundesland grundsätzlich zwei Vorschläge vorlegen kann. Die Tentativliste ist eine Vorschlagsliste für zukünftige Welterbeanträge (Nominierung) auf Aufnahme in die UNESCO-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt (Welterbeliste). Voraussetzung für die Nominierung eines Welterbeprojektes ist der Eintrag für mindestens ein Jahr auf der Tentativliste.

Das Kabinett hat am 26. Juni 2012 darüber entschieden, welche sächsischen Welterbekandidaten der KMK zur Aufnahme in die ab 2016 geltende Tentativliste bis zum
1. August 2012 vorgeschlagen werden.

Grundlage für die Entscheidung war die Empfehlung der eigens dafür eingesetzten Expertenkommission. Diese hat aus zehn hervorragenden Bewerbungen eine einvernehmliche Auswahl getroffen. Vor der Expertenkommission hatten die zehn Welterbekandidaten  Gelegenheit ihre Projekte zu präsentieren und sich den Fragen der Experten zu stellen. Die Experten prüften die Erfüllung der Aufnahmevoraussetzungen der UNESCO sowie die Finanzierbarkeit des Projektes und die möglichen Auswirkungen auf die wirtschaftliche und infrastrukturelle Entwicklung der Region. Die Kommission hatte die Aufgabe aus zehn beeindruckenden Bewerbungen die erfolgversprechendsten Kandidaten auszuwählen. Diese Aufgabe war nicht leicht und die Auswahl wurde mit großer fachlicher Kompetenz getroffen. Auch für die Kandidaten, die nicht auf den ersten Plätzen sind, war das Verfahren zweifellos ein Gewinn. Zum einen gab es in den entsprechenden Orten ein  großes Engagement für das jeweilige Projekt, zum anderen liegt jetzt eine fachliche Bewertung vor.

Das Kabinett ist mit seiner Entscheidung der Empfehlung der Expertenkommission gefolgt und schlägt die folgenden sächsischen herausragenden Bewerber der KMK zur Aufnahme in die deutsche Tentativliste vorschlagen:

Der Freistaat Sachsen benennt für die Tentativliste

1. „Hellerau – Laboratorium einer neuen Menschheit“

bestehend aus der Gartenstadt, dem Festspielhaus und den historischen Werkstätten

Zwischen 1909 und 1914 wurde auf einem Gebiet von 140 Hektar Architektur- und Theatergeschichte geschrieben. Der damalige Direktor der Hellerauer Werkstätten gründete eine Siedlung mit 800 Gebäuden und einem Festspielhaus. Für einen kurzen aber intensiven Zeitraum war dort das Weltzentrum der Avantgarde.
Es ist eine überaus gelungene Bewerbung. Die immateriellen Themen wie Lebensreformbewegung, neuer Funktionalismus und der bühnenlose Theaterraum verbinden sich repräsentativ mit der Darstellung von Gebäuden. Wir haben hier in der Nähe ein lebendiges Welterbe an authentischen Orten und in authentischer Gestaltung. Gartenstadt und Gebäude des Theaters und der Werkstätten haben weitestgehend ursprünglichen Bestand. Die Gebietskulisse ist überschaubar und damit konfliktarm gestaltet. Der Antrag lässt sich eindeutig dem materiellen Welterbe zuordnen. Die immateriellen Ideen und die sie repräsentierenden Gebäude stehen außergewöhnlich gut miteinander in Wirkungsbeziehung. Die Kulturdenkmale stehen im Vordergrund der Bewerbung.

2.die „Leipziger Notenspur“.

Auf einem Rundweg von etwa 5 km Länge werden anhand von Wohn- und Wirkungsstätten großer Komponisten an 23 Stationen 300 Jahre Musikgeschichte erlebbar. Es ist einmalig in welcher räumlichen Dichte die Schaffensstätten und Wohnhäuser weltweit bekannter Komponisten und Musiker sich befinden.
Das musikalische Wirken einer Vielzahl international bedeutsamer Komponisten in Leipzig, wie Telemann, Bach, Mozart, Mendelssohn, Clara und Robert Schumannn, Wagner und Berlioz sowie Liszt, Grieg, Lortzing, Mahler und Reger wird deutlich im Antrag herausgearbeitet.  
Die Experten haben jedoch darauf hingewiesen, dass die Welterbekonvention nur das materielle Welterbe regelt. Die Musik, die ein immaterielles Kulturgut darstellt, ist jedoch der Mittelpunkt des Antrages. Für einen erfolgreichen Welterbeantrag müssten vielmehr die den außergewöhnlichen universellen Wert der Notenspur repräsentierenden Gebäude im Vordergrund stehen.
Es bleibt der von der KMK beabsichtigten Evaluierung durch eine international besetzte Expertenjury vorbehalten, den Vorschlag dem materiellen Kulturerbe im Sinne der UNESCO-Welterbekonvention oder dem immateriellen Kulturerbe im Sinne der UNESCO-Konvention zum immateriellen Erbe zuzuordnen.
Falls eine Zuordnung zum immateriellen Erbe erfolgen wird, so wird für diesen Fall

als 3. die „Görlitzer Altstadt und gründerzeitliche Innenstadt mit Fokussierung auf die Hallenhäuser mit der „via regia“ vorgeschlagen.

Der Grundriss der Stadt Görlitz zeigt eine lückenlose zeitgeschichtliche städtische Bebauung an der Nahtstelle zwischen Ost- und Westeuropa und zwischen dem 12. und 20. Jahrhundert in verputzter Massivbauweise von ungewöhnlicher Einheitlichkeit. Die Stadt gehört zu einem der größten zusammenhängenden nationalen Flächendenkmale. Von singulärer Authentizität sind die Hallenhäuser. Sie sind die Wohnanlagen der Tuch- und Fernhändler, die dort in einer Vielzahl und mit reicher Ausstattung in spätgotischer-frühneuzeitlicher Zeit entstanden sind.
Der Antragsgegenstand sollte wegen der Überrepräsentanz der Kategorie „Historische Altstadtkerne“ auf die Hallenhäuser in Verbindung mit der „via regia“ fokussiert werden. Auch werden dadurch die bestehenden Konfliktpotentiale minimiert.
Die vorgeschlagenen Bewerbungen der genannten Welterbestätten aus Sachsen haben ein hohes fachliches Niveau. Sie erfüllen die von der UNESCO geforderten Kriterien, insbesondere besitzen sie einen außergewöhnlichen universellen Wert (OUV: Outstanding Universal Value). Darüber hinaus sind bei den Projekten im Hinblick auf die wirtschaftliche und infrastrukturelle Entwicklung der betroffenen Kommunen keine Konflikte zu erwarten.
Schließlich wird auch das Welterbeprojekt

4. „Schloss Hartenfels mit Schlosskapelle/Torgau“ der KMK gemeldet. Als sog. serielle Anmeldung zum schon bestehenden Weltkulturerbe „Luthergedenkstätten in Eisleben und Wittenberg“ in Sachsen-Anhalt kann sie ohne Belastung des Meldekontingents von zwei Stätten für die Tentativliste vorgeschlagen werden.
Schloss Hartenfels als Gesamtanlage ist das gebaute Manifest und das auf dem europäischen Kontinent wirkende Symbol der Lutherischen Reformation und des Humanismus. Die Schlosskapelle, die durch Martin Luther persönlich seiner Bestimmung übergeben wurde, ist das erste Kirchengebäude, das bereits als evangelisches Gotteshaus gebaut wurde.
Nach Auffassung der Experten handelt es sich um eine sehr gute Bewerbung, die als Erweiterung des bestehenden Weltkulturerbes Eisleben und Wittenberg um das politische Zentrum der Reformation nachvollziehbar ist.
Aber auch den übrigen Bewerbern, die nicht zum Zuge kommen, gibt die Expertenkommission Empfehlungen für die Fortführung ihrer Welterbeprojekte mit dem Ziel einer späteren Welterbebewerbung.

Für die Tentativliste haben sich weiterhin beworben:

5. „Meißen: Albrechtsburg und Dom mit dem Alleinstellungsmerkmal „Meissener Porzellan“

Das europäische Hartporzellan wurde in Sachsen erfunden. Die Stadt Meißen dokumentiert die Bedeutung der Manufakturen für die Herausbildung der frühindustriellen Arbeits- und Lebensformen.
Die Besonderheiten der Porzellanherstellung in Meißen, die bis heute andauert, wurden im Vergleich zu anderen weitweiten Porzellanproduktionsstätten gut dargestellt. Die für die Produktionskette des Porzellans wichtigen beiden Bergwerke, die Bestandteil der Bewerbung sind, können nach Einschätzung der Experten wegen ihrer Erreichbarkeit bzw. des noch aktiven Betriebs nur schwer für Touristen erlebbar gemacht werden. Die für die Unterschutzstellung vorgesehene Gebietskulisse birgt nicht unerhebliches Konfliktpotential mit bestehenden und geplanten Nutzungen und bedarf daher nochmals einer eingehenden Prüfung.
Zur Erhöhung der Erfolgsaussichten sollte zudem ein serieller grenzüberschreitender Antrag mit anderen Porzellanmanufakturen geprüft werden.

6. „Sächsisch-Böhmische Schweiz“

Die Sächsisch-Böhmische Schweiz stellt eine der außergewöhnlichsten Felslandschaften Europas dar, die mit ihren beeindruckenden Naturphänomenen bereits seit dem 18. Jahrhundert Künstler zur schöpferischen Auseinandersetzung mit der Natur angeregt hat. Hieraus entwickelte sich unter den Malern eine romantische Naturauffassung, die sich zu einer bestimmenden Kunstströmung in Europa entwickelte.
Der tschechische Umweltminister befürwortet das Welterbeprojekt. Die Experten empfehlen eine gemeinsame Nominierung unter tschechischer Federführung. Zwischen beiden Seiten besteht bereits eine intensive Zusammenarbeit.

7. „Sächsisches Textilmuseum – Ehemalige Spinnerei und Weberei Pfau KG/Volltuchwerke Crimmitschau“

Die Tuchfabrik Pfau ist in Bezug auf Gebäude, Anlagen und Maschinen ein herausragendes sowie in ihrem Umfang und Erhaltungszustand einzigartiges Zeugnis der Textilindustrie des ausgehenden 19. Jahrhunderts und frühen 20. Jahrhunderts.
Nach Auffassung der Experten hat die Bewerbung ein hohes fachliches Potential. Es fehlt aber der Nachweis des außergewöhnlichen universellen Wertes. Deshalb empfehlen die Experten eine serielle Nominierung zu prüfen und insbesondere ein Zusammenwirken mit anderen bedeutsamen, insbesondere europäischen Stätten der Textilproduktion.

8. „Topasfelsen Schneckenstein“

Die 24 m hohe Felsklippe im sonst felsfreien Waldgebiet ist eine absolute Rarität. Der Topas ist der härteste und seit 1735 auch der bedeutendste deutsche Edelstein.
Aus geologischer Sicht ist der Schneckenstein nach Ansicht der Experten weltweit einmalig. Geologische Einzelobjekte wurden aber bisher von der UNESCO nicht als Naturerbe unter Schutz gestellt. Darüber hinaus sind Konflikte mit der zukünftigen Rohstoffgewinnung nicht auszuschließen.
Es wird die Beantragung als UNESCO-Geopark empfohlen, dem später eventuell eine Welterbebewerbung folgen kann.

9. „Umgebindeland“

Das Umgebindeland ist einmalig in der Welt und in seiner Gestalt nicht vergleichbar. Das Umgebindehaus ist die Synthese von Block- und Fachwerkbau. Der Haustyp ist nur in einem sehr begrenzten Bereich nachweisbar und existiert in solch landschaftsprägender Dichte insbesondere dies- und jenseits der Kammlagen des Lausitzer Gebirges.
Von Seiten der Experten wurde dennoch eine Bewerbung als chancenreicher eingeschätzt, die sich auf wenige repräsentative Standorte des im Zentrum der Bewerbung stehenden Typus des Umgebindehauses bezieht und auf eine serielle grenzüberschreitende Nominierung mit Polen und Tschechien ausrichtet.

10. „Versteinerter Wald Chemnitz“

Die Fossilienlagerstätten des Versteinerten Waldes in Chemnitz sind weltweit einzigartig und präsentieren einen Ausschnitt aus der Lebenswelt vor über 290 Millionen Jahren.
Nach Auffassung der Experten ist der versteinerte Wald eine hochkarätige Naturerscheinung: ein Fenster in die Zeitgeschichte. Es fehlt aber bislang eine klare Gebietskulisse, die Voraussetzung ist für eine konfliktfreie Gestaltung des Schutzstatus.
Es wird empfohlen, zunächst die Ausweisung als UNESCO-Geopark anzustreben.

Weiteres Verfahren

Die ausgewählten Welterbeprojekte wurden mit Schreiben des Sächsischen Staatsministers des Innern vom 26. Juni 2012 gebeten, ihre Bewerbungen in Anlehnung an die Entscheidung der KMK auf dem „TENTATIVE LIST SUBMISSION FORMAT“ (http://whc.unesco.org/en/documents/116251/) gegebenenfalls unter Beachtung der Empfehlungen der Expertenkommission, dem Sächsischen Staatsministerium des Innern (SMI) bis zum 13. Juli 2012 vorzulegen. Das SMI wird die Weiterleitung der Bewerbungen bis zum 1. August 2012 an die KMK veranlassen. Die übrigen sechs Bewerbungen, die nicht berücksichtigt werden konnten, erhalten vom SMI Empfehlungen, wie sie ihre Projekte im Hinblick auf spätere Welterbebewerbungen erfolgversprechender gestalten können.
Die KMK wird die Vorschläge der Länder von einer international besetzten Expertenjury evaluieren lassen. Unter Berücksichtigung dieser Evaluierung wird die KMK im Jahr 2013 beschließen, welche Vorschläge auf die dann wohl ab 2016 gültige deutsche Tentativliste gesetzt werden.
Der Antrag (Nominierung) wird im in der Tentativliste vorgesehenen Jahr zu einem festen Stichtag (1. Februar) beim Sekretariat des UNESCO-Welterbezentrums in Paris gestellt.
Der Entwurf des Antrags kann freiwillig bereits zum 30. September des Vorjahres zu einer Vollständigkeitsprüfung beim Sekretariat der KMK eingereicht werden.

Die vollständigen und fristgerecht bei der UNESCO eingegangenen Antragsunterlagen werden an die beratenden Gremien weitergeleitet, die das Projekt begutachten und dem Welterbekomitee einen Entscheidungsvorschlag unterbreiten. Die Begutachtung erfolgt bei Gütern des Weltkulturerbes durch Experten des Internationalen Rats für Denkmalpflege (ICOMOS: International Council on Monuments and Sites), bei Gütern des Naturerbes durch die Experten der internationalen Union für die Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen (IUCN: International Union for Conservation of Nature and Natural Resources). Die Entscheidung über die Aufnahme in die Welterbeliste trifft das Welterbekomitee im Juni oder Juli des auf das Nominierungsjahr folgenden Jahres.

Weiterführende Informationen:

http://www.kmk.org/kunst-kultur/unesco-weltkulturerbe.html

http://www.unesco.de/welterbe-aufnahmeverfahren.html

http://whc.unesco.org/en/tentativelists

http://www.unesco-welterbe.de/de/unesco-welterbestaetten

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